Juristische Korrespondenzexperimente Eine Methode für den empirischen Zugang zum Antidiskriminierungsrecht

Nach § 2 Abs. 1 in Verbindung mit § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) sind in weiten Teilen des Privatrechtsverkehrs Benachteiligungen "aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität" unzulässig. Über die rechtspolitische Rechtfertigung dieses Verbots und seine praktische Ausformung wurde bereits viel geschrieben. Wie aber lässt sich strukturelle Diskriminierung überhaupt nachweisen? Eine in den Sozialwissenschaften etablierte Vorgehensweise ist die sog. Korrespondenzstudie. Das bedeutet, dass eine...

Kontinuität am Bundesverfassungsgericht? Wie die Öffentlichkeit Voßkuhles und Masings Nachfolger bewertet

Die Wahl zur Nachfolge der Richter des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle und Johannes Masing steht bevor. Zum wiederholten Male ist die Wahl überfällig, da Masings Amtszeit offiziell bereits Ende April endete und Voßkuhles am 6. Mai. Schon in der Vergangenheit kam es zu Verzögerung; etwa bei den Wahlen von Herbert Landau und Hans-Jürgen Papier. Diese Verzögerungen sind nicht gerade förderlich für das Ansehen des Bundesverfassungsgerichts und scheinen der Natur der Wahl geschuldet, die oft politisch geführte Debatten fördert. In diesen Debatten geht die Frage, welche Eigenschaften die Öffentlichkeit an Verfassungsrichterinnen und...

Regulierung unter dem Primat der Wissenschaft

Markus Söder und viele andere Politiker sprechen bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie von einem zu akzeptierenden „Primat der Wissenschaft“. Das ist richtig, insofern es um eine Optimierung von Strategien zur effektiven Bekämpfung des Virus geht, und insoweit falsch, als es die Notwendigkeit komplizierter Abwägungsentscheidungen maskieren soll, worauf nicht zuletzt Jan-Erik Schirmer zutreffend hingewiesen hat. Doch es stellt sich ein viel komplexeres Problem. Die Wissenschaftler*innen forschen unter einer defizitären sowie dynamischen empirischen Datenlage, da ständig neue Informationen über SARS-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Krankheit COVID-19 gewonnen werden können, jedoch gleichzeitig bei allen Daten – die aus guten Gründen...

The Forbidden Tree of Knowledge France restricts predictive analytics for judicial decisions

The problem with new methods and sources of knowledge is that these can bring forth facts that do not always please all those involved. But to prohibit the pursuit for knowledge and insight is rather absurd in a transparent state at the latest after the Age of Enlightenment. In France this seems to be seen differently. In fact, France has recently adopted a law reforming the judicial system. Article 33 of the law has caused an international controversy. It reads literally: "Les données d'identité des magistrats et des membres du greffe ne peuvent faire l'objet d'une réutilisation ayant pour objet ou pour effet d'évaluer, d'analyser, de comparer ou de...

Der Rückschaufehler Das Problem der Ex-ante-Perspektive bei der Fahrlässigkeitsbeurteilung ex post

„Das war doch für jeden absehbar!“ – Wenn etwas schiefgeht, zeigen Außenstehende hinterher oftmals nicht nur wenig Verständnis, sondern erweisen sich als verspätete Hellseher, die zum entscheidenden Zeitpunkt dieses Wissen offenbar lieber für sich behalten wollten. Tatsächlich entspricht es einer gut belegten typischen menschlichen Denkweise, nach Mustern zu suchen, so dass rückblickend der rote Faden in einer Chronologie, die zur Katastrophe führte, sehr viel klarer erscheint als zur Laufzeit. Dieses Phänomen bezeichnet die Psychologie als Rückschaufehler (Hindsight Bias). Darunter versteht man, dass die Einschätzung der...

Why lab experiments are a powerful tool for legal scholarship

Many questions formulated by legal scholars address a causal relationship between the law and human behavior: What is the effect of “teaser rates” on credit card debt? Will delegation of decision-making diminish the “stickiness of default rules”? Does a key information document improve retail investors’ understanding of investment products? Behavioral law and economics can help answering these questions, as it provides predictions about people’s behavior in a legally relevant context. Its increasing use in policy-making and law calls for an understanding of how these predictions are formulated and tested. Laboratory experiments are an important empirical method employed to this end. Thus, it comes at no surprise that...